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Dendroarchäologisches Forschungsarchiv NRW

Mit einem Bestand von schätzungsweise 70.000 Holzproben aus den vergangenen 12.000 Jahren ist das Dendroarchäologische Forschungsarchiv in NRW, welches 2016 eröffnet werden konnte, eine der sehr wenigen Einrichtungen dieser Art, nicht nur in Deutschland sondern in Europa. Die Holzfunde wurden 2015 und 2016 aus einem ungeordneten Lager im Bergischen Land in die neuen Archivräume in Köln verbracht. Es handelte sich um etwa 2.500 Umzugskartons sowie zahllose große Stamm- und Balkenabschnitte, die (inklusive Beschriftung) gesichtet und identifiziert, in handliche Probenstücke zersägt und für den Transport umgepackt werden mußten. Letztlich resultierten daraus 1.800 große Umzugskartons, welche in die Kölner Archivräumlichkeiten transportiert wurden. Dort werden die Holzfunde seither archiviert und mit einer widerstandsfähigen Beschriftung in Form eines Barcodes versehen, in stabile Lagerboxen eingepflegt und mit der SQL-Datenbank des Labors verknüpft. Dadurch wird in Zukunft ein schneller Zugriff auf die Proben für Forschungsaufgaben möglich sein, z.B. zu Dendroisotopie, menschlicher Waldnutzung, Päläoklimatologie, anthrakologischen Forschungen oder Mensch-Umwelt-Interaktionen. Datenbank-Abfragen der Art "alle zwischen 800 und 400 v. Chr. datierten Eichenhölzer aus NRW mit mehr als 99 Jahrringen" werden schnell das mögliche Forschungspotential erkennen lassen. Für alle archäologischen vorrömischen Hölzer gilt, dass ihr Auffindungsort mit dem Wuchsstandort der Bäume gleichzusetzen ist. Dadurch sind regional genau lokalisierbare Umweltdaten zugänglich, deren zeitliche Auflösung jahrgenau ist. Aufgrund des Wuchsverhaltens von Eichen sind sogar jahreszeitliche Umweltinformationen (z.B. Temperatur und Feuchte) für das Frühjahr (Frühholz) und den Sommer/Herbst (Spätholz) eines Jahres zu gewinnen. Letztlich liegt damit ein holozänes Umweltarchiv vor, dessen Erforschung durch die ständig fortschreitende Entwicklung und Verfeinerung der Untersuchungsmethoden in der globalen "Dendro-Community" und darüber hinaus großes Potential bietet. Vergleichbare Archive existieren bei mehreren seit geraumer Zeit existierenden Laboratorien in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Deren Kooperation zu verschiedenen wissenschaftlichen Forschungen hat gerade in jüngster Zeit beachtliche Synergieeffekte erzeugen und zur Beantwortung diverser überegionaler Fragestellungen beigetragen können.