Dendrochronologie
Die Dendrochronologie (auch Jahrringanalyse/-forschung) beruht auf den Jahrringmustern von Bäumen (in Gebieten mit winterlicher Wachstumsruhe). Durch den Vergleich der Ähnlichkeit von Jahrringmustern ermöglicht sie die Datierung von Holz unbekannten Alters (unter günstigen Voraussetzungen jahrgenau/jahreszeitlich genau) und mittels Überbrückungsverfahren den Aufbau von Referenzreihen für die jeweilige Holzart und Region. Sie wird vor allem dort eingesetzt, wo durch Hölzer zeitlich präzise Einordnungen erzielt werden sollen, so z.B. in Archäologie, Bau- und Kunstforschung, Quartärforschung, Bodenkunde, Geologie, Paläoklimaforschung und Umweltwissenschaften. Durch die hohe zeitliche Auflösung trägt dadurch trägt damit wesentlich zur Rekonstruktion archäologischer, bauhistorischer und umwelt- bzw. landschaftsgeschichtlicher Zusammenhänge bei.
Leistungen | Probenarten | Anwendungsbereiche | Schnittstelle zur 14C | Das Labor | Externe Nutzerinnen & Nutzer | Literatur
Leistungen
Standardleistungen
- Altersbestimmungen (inklusive Gutachtenerstellung)
- An für Altersbestimmungen ungeeigneten Nasshölzern und Holzkohlen:
- Holzanatomische Bestimmungen
- Weiterführende Bestimmungen wie Größenklassen, holzanatomische Besonderheiten, Pilzbefall, Rissbildung durch Verkohlungsprozess etc.
Probenarten
Am Labor für Dendroarchäologie der UzK werden routinemäßig Hölzer folgender Erhaltungszustände analysiert:
Nassholz (als Scheiben von maximal 3-4cm Stärke)
- Archäologisch
- Subfossil
Trockenholz (als Bohrkerne oder Scheiben von maximal 3-4cm Stärke)
- Aus Gebäuden
Holzkohle (ab 1mm3 Volumen aufwärts)
- Archäologische Grabungen
- Böden
- Sedimente
- Moore
Anwendungsbereiche
Jahrringanalysen und Holzanatomie werden hauptsächlich in den folgenden Bereichen angewendet:
Archäologische und subfossile Holz- und Holzkohlenfunde
Ein zentraler Anwendungsbereich ist die Datierung archäologischer Holzfunde. Dendrochronologische Untersuchungen ermöglichen nicht nur die präzise Bestimmung des Fälldatums einzelner Hölzer und ihrer anschließenden Verwendung/Verbauung. Je nach Anzahl der analysierten Hölzer lassen sich auch komplexere Konstruktionszusammenhänge wie Gebäude, Brunnen, Brücken, Bergwerke, Burgen, Städte etc. hinsichtlich ihres Beginns, ihrer Entwicklung und ihres Abschlusses sehr präzise rekonstruieren.
Bauhistorische Untersuchungen
Auch in der Bau- und Denkmalforschung spielt die Dendrochronologie eine wichtige Rolle. Die Datierung von Bauhölzern kann Hinweise auf Bauphasen, Umbauten oder Reparaturen historischer Gebäude liefern. Besonders bei Fachwerkhäusern, Kirchen, Klöstern und anderen historischen Bauwerken trägt die Methode maßgeblich zur Rekonstruktion der jeweiligen Baugeschichte bei.
Landschafts- und Umweltgeschichte
Dendrochronologisch datierte Hölzer bzw. Holzkohlen können auch zur Rekonstruktion vergangener Landschafts- und Umweltentwicklungen beitragen. Subfossile Holzfunde aus Flussablagerungen, Kiesgruben oder Mooren geben beispielsweise Hinweise auf Änderungen in der Flußdynamik oder die Entwicklung von Moorlandschaften. Die Holzarten und deren Verteilung ermöglichen u.a. Aussagen zu Bevorzugung gewisser Holzarten für bestimmte Zwecke, zu technologischen Aspekten, zur Herkunft von Holz (Dendroprovenancing) sowie zu Handels- und Transportwegen, zur Zusammensetzung und langfristigen Veränderung des Waldbildes, zur lokalen/regionalen Wald-, Landschafts- und Umweltentwicklung. Die Altersstruktur der verwendeten Hölzer kann Hinweise auf ehemalige Standortverhältnisse und/oder den Grad des menschlichen Einflusses im Wald bzw. auf die Entwicklung der Landschaft geben und beleuchtet dadurch letztlich das Wechselspiel der gegenseitigen Beeinflussung von Mensch und Umwelt.
Dendroklimatologie
Jahrringbreiten beinhalten Informationen über die Wachstumsbedingungen vergangener Zeiten. Je nach Baumart, Standort und Klimaregion liefern sie Hinweise auf Temperatur-und Feuchtigkeitsschwankungen aber auch zu standörtlichen Einflußfaktoren. Dendroklimatologische Untersuchungen nutzen diese Informationen, um vergangene Umwelt- und Klimabedingungen zu rekonstruieren.
Schnittstelle zur Radiokarbondatierung
Dendrochronologisch datierte Jahrringfolgen bilden eine wichtige Grundlage für die Kalibrierung von 14C-Daten und verbinden damit zwei zentrale Methoden der Altersbestimmung organischer Materialien.
Im Vorfeld übernehmen wir gerne auch die holzanatomische Bestimmung Ihrer für die 14C-Datierung vorgesehen Proben.
Das Labor
Das Labor für Dendroarchäologie der Universität zu Köln (UzK) ist am Institut für Ur- und Frühgeschichte angesiedelt. Hier werden hauptsächlich Altersbestimmungen an Holzfunden aus archäologischen und subfossilen, aber auch an bauhistorischen Zusammenhängen auf der Basis von Jahrringbreiten-Messungen durchgeführt (Anwendungsbereiche).
Im Laufe seiner Geschichte hat sich das Labor für Dendroarchäologie der UzK als wichtiger Partner universitärer und außeruniversitärer Einrichtungen etabliert. Da die Hölzer durch ihre hohe zeitliche Auflösung und den klimatischen Informationsgehalt in den Jahrringmustern ein einzigartiges Zeit-, Klima- und Umweltarchiv darstellen, werden sie im Anschluss an die eigenen Untersuchungen in unserem Forschungsarchiv NRW für weiterführende Analysemethoden vorgehalten und für zukünftige Forschungsfragen bewahrt und erschlossen. Dieses hat mittlerweile einen Bestand von deutlich mehr als 50.000 analysierten Holzproben.
Unser Kernarbeitsgebiet ist Nordrhein-Westfalen, zusätzlich können aber auch Hölzer aus Hessen und weiteren angrenzenden Gebieten analysiert werden.
Traditionell liegt bei den in Frage kommenden Holzarten der Schwerpunkt auf der Eiche. Unterdessen existieren aber auch Referenzreihen für weitere Holzarten wie z.B. Buche, Tanne, Fichte und Kiefer (weitere Holzarten auf Nachfrage).
Neben der Altersbestimmung ist gerade der Aufbau, die Pflege und die Erweiterung regionaler Jahrringchronologien für die verschiedenen Holzarten sowohl als Basis die jahrgenaue Altersansprache der Holzfunde als auch für Klimarekonstruktionen über lange Zeiträume hinweg eine zentrale Aufgabe unseres Labors.
Hinweise für externe Nutzerinnen und Nutzer
Die Arbeitsgruppe des Labors für Dendroarchäologie bearbeitet auch Anfragen externer Nutzerinnen und Nutzer. Sollten Sie eine individuelle Beratung benötigen, kontaktieren Sie uns bitte telefonisch unter der angegebenen Nummer des Forschungsarchives.
Die Annahme von Proben erfolgt ausschließlich nach vorheriger Terminabsprache im Dendro-Forschungsarchiv NRW. Bitte senden oder bringen Sie Proben nicht ohne vorherige Rücksprache, da das Archiv nicht durchgängig besetzt ist. Archäologische Hölzer, insbesondere aus prähistorischem Kontext, haben bei der Bearbeitung Vorrang.
In Ausnahmefällen richten Sie Ihre Untersuchungsanfragen bitte schriftlich an thorsten.westphal(at)uni-koeln(dot)de und fügen Sie, wenn möglich, aussagekräftige Fotos sowie Angaben zu Fundort, Objekt, Probenmaterial und Fragestellung bei.
Das Labor führt keine dendrochronologischen Untersuchungen an kunsthistorischen Objekten oder an Musikinstrumenten durch!
Neben dendrochronologischen Altersbestimmungen können auch holzanatomische Bestimmungen an kleinstückigen archäologischen Nasshölzern oder Holzkohlen durchgeführt werden.
Die Entnahme von Proben vor Ort oder die Untersuchung von ortsfesten Objekten an ihrem Standort kann nur noch in äußersten Ausnahmefällen erfolgen. Dann können zusätzliche Kosten für Arbeitszeit und Fahrtwege entstehen.
Bitte beachten Sie die aktuellen Hinweise, das Auftragsformular für Altersbestimmungen, das Auftragsformular für Holzartenbestimmungen und die jeweils gültige Kostenbeitragsliste.
Einsendung bzw. Lieferung von Proben
Bitte beachten Sie vor dem Versand bzw. der Lieferung die folgenden Punkte:
1. Tragen Sie alle Proben vollständig in das Auftragsformular ein.
2. Stellen Sie sicher, dass die Probenbeschriftung gut leserlich und unverwechselbar an der jeweiligen Probe angebracht ist, um Verzögerungen und Verwechslungen zu vermeiden.
3. Kontrollieren Sie, dass die Beschriftung der Proben mit den Angaben im Auftragsformular übereinstimmt.
4. Senden Sie das ausgefüllte Formular per E-Mail an uns unter thorsten.westphal(at)uni-koeln(dot)de und legen Sie den Proben zusätzlich einen Ausdruck des Auftragsformulars bei.
5. Adressieren Sie die Sendung wie folgt:
Universität zu Köln
Institut für Ur- Frühgeschichte
Dendro-Forschungsarchiv NRW
Unnauer Weg 7A
50767 Köln
Kontakt
Dendro-Forschungsarchiv NRW
Unnauer Weg 7A
50767 Köln
0221-16 84 21 62
Büro des Labors für Dendroarchäologie
Institut für Ur- Frühgeschichte, Dendrochronologie
Weyertal 125
50923 Köln
0221-470-5853 bzw. -3524
Das Team
Laborleitung
Dr. Thorsten Westphal
Archiv: +49 (0)221-16 84 21 62
Büro: +49 (0)221 470-5853
thorsten.westphal(at)uni-koeln(dot)de
Technischer Assistent
Helge Dörr
Archiv: +49 (0)221-16 84 21 62
hdoerr1(at)uni-koeln(dot)de
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Dr. Hannes Knapp
Archiv: +49 (0)221-16 84 21 62
Büro: +49 (0)221-470 3524
hknapp(at)uni-koeln(dot)de
Einführende Literatur (Auswahl)
- Westphal, Th., Zeitreihenanalysen an Holz. Dendrochronologie - Allgemeine Grundlagen der Jahrringforschung. In: Zeitarbeit: Aus- und Weiterbildungszeitschrift für die Geschichtswissenschaften, Bd. 1 (2019) 25-33, https://doi.org/10.25521/ztbt.2019.109
- Westphal, Th., Heußner, K.-U., Kleiner Leitfaden für den Umgang mit Holz für dendrochronologische Altersbestimmungen (München 2016) 24 S., ISBN 978-3-89937-212-0
- Billamboz, A./Tegel W. 2002: Kalender in Holz. Jahresringe - Zeugen der Zeit. Arbeitsweise der Dendrochronologie. Archäologische Informationen aus Baden- Württemberg, Heft 46, Stuttgart, 2002
- Heußner, K.-U. 1999: Wieviel fehlt? Ein Beitrag zur Genauigkeit von dendrochronologischen Datierungen. In: E. Cziesla/T. Kersting/ S. Pratsch (Hrsg.), Den Bogen spannen… Festschrift für Bernhard Gramsch zum 65. Geburtstag. Beitr. Ur- u. Frühgesch. Mitteleuropa 20 (Weißbach 1999) 523-525
Zusätzliche Literatur finden Sie auch unter den jeweiligen Mitarbeitern des Labors für Dendroarchäologie