Das Profil des Labors
Die Anbindung des Dendrolabors am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln prägt auch den Schwerpunkt der dendrochronologischen Forschung in Köln. Die Erstellung von Chronologien unterschiedlicher zeitlicher Reichweiten für die verschiedenen Regionen und Holzarten zur Datierung vorwiegend archäologischer Holzobjekte ist eine der Hauptaufgaben des Labors.
Die dazu notwendigen Proben bezieht das Labor vor allem aus archäologischen Ausgrabungen, so dass sich ein wechselseitiger Nutzen ergibt, wenn die Archäologie jahrringanalytische Datierungen von Hölzern erhält, die ihrerseits zum Aufbau und zur Verbesserung der Jahrringkalender und damit der dendrochronologischen Forschung unverzichtbar sind.
Grundsätzlich werden alle dem Labor angetragenen Hölzer aus archäologischen Untersuchungen in NRW untersucht. Die Eiche (Quercus spp.) war von der Jungsteinzeit bis in die Neuzeit hinein aufgrund seiner Dauerhaftigkeit und Härte das am meisten bevorzugte Bau- und Nutzholz. Diese Eigenschaften tragen auch zur guten Erhaltung dieser Holzart in natürlichen Ablagerungen, archäologischen Fundstätten und historischen Bauwerken bei. Deshalb erlaubte die Eiche den Aufbau weit zurückreichender Referenzreihen und stand besonders am Beginn jahrringanalytischer Forschung in Europa in deren Mittelpunkt. Später rückten auch weitere Arten wie Tanne, Kiefer, Fichte und Buche z. T. auch Esche, Erle, Pappel und Ulme in den Fokus. Für diese konnten mittlerweile regionale Chronologien meist für die letzten 1000 Jahre und partiell für vorgeschichtliche Zeitabschnitte erarbeitet werden. Andere Holzarten wie etwa Weide, Linde etc. wurden nur für spezielle Anwendungen genutzt. Ihre geringe Verfügbarkeit verhindert daher in der Regel den Aufbau längerer Referenzreihen.
Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Labor zu einem wichtigen Partner der Archäologischen Denkmalpflege in NRW. Es gibt aber auch eine inneruniversitäre Zusammenarbeit mit den Abteilungen "Archäologie der römischen Provinzen" des Archäologischen Instituts und "Architekturgeschichte" des Kunsthistorischen Instituts.
Auch mit dem LVR-Bergischen Freilichtmusem Lindlar und der Baudenkmalpflege in NRW ist das Labor seit Jahrzehnten gut vernetzt und trägt mit dendrochronologischen Untersuchungen zur Klärung der oft komplizierten Baugeschichten historischer Gebäude bei.
Im Kölner Labor werden keine dendrochronologischen Untersuchungen an kunsthistorischen Objekten oder an Musikinstrumenten durchgeführt! Dazu wenden Sie sich bitte beispielsweise an E. Pressler oder an Dr. M. Beuting.
Nach der Umstellung von Hard- und Software auf Windows-basierte Systeme (2011) und dem Aufbau einer dendrochronologischen SQL-Datenbank wurde mehrere Jahre an der Revision dendrochronologischer Datenbestände aus der Kölner Bucht gearbeitet.
Da die die Menge der seit seines Bestehens im Köner Labor analysierten und gesammelten Hölzer, ganz besonders durch ihre hohe zeitliche Auflösung, ein einzigartiges Zeit-, Klima- und Umweltarchiv darstellt, welches langfristig bewahrt sowie der aktuellen und zukünftigen Forschung verfügbar gemacht werden sollte, wurde im Jahre 2015 wurde nach langer Vorbereitung mit dem Aufbau des Dendroarchäologischen Forschungsarchivs NRW begonnen. Pro Jahr kommen als Neuzugänge etwa 800-1000 neu analysierte Proben hinzu.